Zwangsarbeit war während des Zweiten Weltkriegs ein zentraler Bestandteil der
nationalsozialistischen Kriegswirtschaft. Millionen Menschen aus ganz Europa wurden unter Zwang in
Deutschland zur Arbeit verpflichtet – oft unter katastrophalen Bedingungen, ohne Rechte, Schutz
oder Entlohnung. Zahlreiche deutsche Industrieunternehmen waren in dieses System eingebunden
und profitierten von der Ausbeutung der Arbeitskraft. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
kamen aus unterschiedlichsten Ländern und wurden nach rassistischen Kriterien unterschiedlich
behandelt. Ihre Erfahrungen und Lebensbedingungen spiegeln die menschenverachtende Ideologie
und Praxis des NS-Regimes auf eindrückliche Weise wider. Um die Geschichte zu bewahren und die
Schicksale der Zwangsarbeiter zu ehren, stellt das BMW-Museum seit 2020 einen Teil seiner
Dauerausstellung dem Thema Zwangsarbeit im Unternehmen während des Nationalsozialismus zu
Schau. Die Ausstellung, die mit Unterstützung von Klaus Mai entstand, ist unter dem Titel „Die Würde
des Menschen ist unantastbar“ im BMW-Museum in
München zu sehen.
Die Geschichte der Zwangsarbeit in den BMW-Werken während der Zeit des Nationalsozialismus ist ein schmerzhaftes und dunkles Kapitel, das die Schattenseiten der industriellen Produktion in dieser Ära aufzeigt und gleichzeitig ein Impuls für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Dies ist von großer Bedeutung für die Entwicklung einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur und für das Bewusstsein über die menschlichen Kosten von Krieg
und Ausbeutung. Während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland von 1933 bis 1945 war die Ausbeutung von Zwangsarbeitern ein zentrales Element der Kriegswirtschaft. Auch die Bayerische Motoren Werke AG (BMW), machte sich die Arbeit von Zwangsarbeitern zunutze, um die Produktionskapazitäten während des Zweiten Weltkriegs zu steigern. Um die Anforderungen der Kriegsindustrie zu erfüllen entstand das KZ-Außenlagerkomplex in München Allach und war der größte der 169 Außenlager des Konzentrationslager Dachau. Bis 30. April 1945 arbeiteten für den Flugmotorenbau bei BMW über 10.000 Gefangene. Mehr als 1000
davon starben. 1952 errichtete man an dieser Stelle die Wohnsiedlung Ludwigsfeld.
Mit der Machtübernahme Hitlers und des NSRegimes
ab 1933 gewann die Luftrüstung im Deutschen Reich die höchste Priorität. Das
Reichsluftfahrtministerium sicherte BMW wie allen anderen Rüstungsunternehmen hohe
Renditen. Laut Plan des BMW soll außerdem die geforderte schrittweise Arisierung der
Belegschaft durchgeführt werden. Ab 1942 betrieb das Unternehmen im Rahmen der NSMaximierung
aktiv den Einsatz von Zwangsarbeitern, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen. Sie agierte weitgehend
autark und stieg zu einem wichtigstenn Flugmotorenproduzenten der Luftwaffe auf.
Die Verstrickungen von Konzernen in die nationalsozialistische Politik wurde nach dem II Weltkrieg
nicht sonderlich verfolgt, das Verbrechen der NS-Zwangsarbeit gelang zunehmend in die
Vergessenheit. Zwar durften die Betroffenen seit 1953 laut Bundesentschädigungsgesetz
Entschädigungen beantragen, die Klagen wurden jedoch oft abgewiesen, da die Zwangsarbeit nicht
als Verbrechen anerkannt wurde, sondern als notwendige Begleiterscheinung des Krieges gesehen.
Zudem müssten die Antragsteller ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik gehabt haben. Zwar leistete
die BRD in Form von sog. Globalabkommen Entschädigungen an die einzelnen Staaten, zahlte aber
keine individuellen Entschädigungen an die einzelnen ehemaligen Zwangsarbeiterinnen. Bis 1990er haben sie sich geweigert, die Wiedergutmachungszahlungen an die Gruppen der Betroffenen zu leisten. Erst in 1990er wurden die Bemühungen aufgenommen, hohe Schadensersatzzahlungen von den Deutschen Konzernen zu fordern. Es würden Initiativen, wie etwa Ausstellungen und Vorträge organisiert und Studien durchgeführt. Die ausgewanderten ehemaligen Zwangsarbeiter und KZHäftlinge in den USA forderten gerichtlich hohe Schadensersatzzahlungen von den deutschen Firmen. BMW fühlte sich hierzu zur Verantwortung gezogen, bis dahin zur Unternehmenskultur gehörenden Mythen und Vorstellungen über die eigene NS-Geschichte zu revidieren und ein neues faktenbasiertes Historisches Selbstverständnis zu entwickeln. In den 1990er kam es, vor allem in den USA zu Boykottaufrufen, Sammelklagen und Entschädigungsforderungen von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen gegen
große deutsche Konzerne. Unter dem öffentlichen Druck kam die Bundesregierung zum Entschluss, einen sog.
Entschädigungsfond zu errichten. Dies befreite die beteiligten Konzerne von allen zukünftigen Forderungen und die Zahlungen
waren steuerlich absetzbar. So erhielten die Betroffenen Zahlungen zwischen 2 235 und 7 669€ , wobei die Höhe der Leistungen von
der Art der Ausbeutung abhing. 1996 erschien unter der Mitwirkung von Volkswagen eine Umfassende Studie über
die Verstrickung des Konzerns im System der Zwangsarbeit.
Auch im Bau der Autobahnen spielte die Zwangsarbeit eine erhebliche Rolle. Der Straßenbau im II.
Weltkrieg beschäftigte 149.000 Zwangsarbeiter und war ein Teil des Projekts Die Vernichtung durch
Arbeit. Wie Conrad Kunze in seinem Buch „Verdrängte Erinnerungen. Die Autobahn und der
Nationalsozialismus“ schreibt, war Hitler nicht nur Führer, sondern eine Projektionsfläche zugleich,
bereits vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen, die ein Faktor seines Aufstiegs darstellen. Zwar
war die Autobahn zunächst eher exklusiv (es gab wenige unter den Bürgern, die sich einen Automobil
leisten konnten), jedoch gab es sehr früh bereits ein Versprechen vom Auto für alle. Die Autobahn
verkörperte die Idealvorstellung der Volksgemeinschaft des Nationalsozialismus. Eine besondere
Rolle spielten maskuline Sinnbilder des Mannes als eines aktiven Arbeiter. Gleichzeitig unterstützte
die Propaganda den allgegenwärtigen Geschwindigkeitsrausch. Die Bauten des Reiches mussten die
monumentale Werke der Antike übertreffen: Die Reichsautobahn muss wie eine chinesische Mauer,
die Akropolis der Athener, wie die Pyramiden Ägyptens ein Turm im Weichbild der Weltgeschichte
werden (Schütz/Gruber 1996, 4).
Für das BMW zählt die Nazizeit als das dunkle Kapitel in der Geschichte der Firma: Krieg, Ausbeutung
der Menschen, Leid und Scheitern – Der Versailler Vertrag nach dem II Weltkrieg verbot die weitere
Produktion der Motoren. Nichts desto trotz profitierte die Motorenindustrie enorm von dem
Angriffskrieg Hitlers. Nach seiner Amtsübernahme instrumentalisierte und unterwarf sich Hitler die
BMW-Werke, so wie die anderen Unternehmen, die ab jetzt ein Zulieferer für das
Nationalsozialismus werden sollten. Innerhalb von 5 Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten in der
Flugzeug- und Motorenindustrie auf mehr als das Zwanzigfache an. BMW profitierte und errichtete
eine Flugmotorenfabrik in Allach, die zum Schandfleck der Unternehmensgeschichte wurde. Dort
wurden die Zwangsarbeiter eingesetzt, um den Doppel-Sternmotor BMW 801 zu produzieren. Die
Erwartung des Regimes hinsichtlich der Anzahl der produzierten Waren wurde immer größer, was
sich auf die Erwartungen gegenüber sowie die allgemeine Situation der Arbeiter negativ ausgewirkt.
Über 2000 Häftlinge starben in Folge von Hunger, Kälte und Entkräftung. Eine frühere
Zwangsarbeiterin einer der Batterie-Fabriken berichtete, dass die Arbeiter dort ausgepeitscht
wurden, ihnen kein Wasser zur Verfügung stand und sie gezwungen waren, aus den Toiletten zu
trinken, um nicht zu verdursten. Auf dem Fabrikgelände soll es sogar einen Exekutionsplatz mit
einem Galgen gegeben haben. Die Zwangsarbeiter in den BMW-Fabriken arbeiteten unter
unmenschlichen Bedingungen. Die Arbeitszeiten waren lang und es wurde oft ohne Pause gearbeitet.
Es herrschte der Mangel an Nahrung, die Verpflegung war minimal und viele litten unter dem Hunger
und Mangelernährung. Es fehlte Schutzkleidung, die Arbeiter kamen leicht in Berührung mit giftigen
Substanzen, wie etwa Blei. Die Unterkünfte waren überfüllt, unhygienisch und boten im Winter kaum
Schutz vor den Witterungen. Die Zwangsarbeiter unterlagen Gewalt, Misshandlungen und
Erniedrigungen durch Aufseher.
Heute gehört BMW zu den Gründungsmitgliedern der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft,
die sich für die Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter einsetzt. Die Geschichte der
Zwangsarbeiter in den BMW-Fabriken während der NS-Zeit ist ein schmerzhaftes Kapitel der
industriellen Produktion in Deutschland. Sie zeigt, wie eng wirtschaftliche Interessen mit staatlich
organisierter Zwangsarbeit verflochten waren. Die systematische Ausbeutung von Millionen
Menschen diente nicht nur dem Kriegsziel des NS-Regimes, sondern war auch fester Bestandteil der
Produktionsprozesse großer deutscher Unternehmen. Eine kritische und faktenbasierte Aufarbeitung
dieser Vergangenheit ist von zentraler Bedeutung – sowohl für das historische Verständnis als auch
für die Verantwortung heutiger Unternehmen und Gesellschaften im Umgang mit ihrer Geschichte

